Geschichten & Gespräche mit internationalen
Künstlern und Künstlerinnen
01.01.2012

Best of pop talk 2011

hr3 und Philipp Poisel sind jetzt "befreundet"

Auch 2011 waren viele große Stars bei hr3. Manchmal bin ich auch zu den Künstlern hingefahren oder wir haben uns bei Konzerten getroffen. Wenn das alle snicht ging, wurde eine Leitung zwischen zwei Studios hergestellt.

Von rund 100 Interviews haben wir die Hälfte im Poptalk umgesetzt, einige folgen noch, weil man bei manchen Künstlern wartet, bis das Album erscheint.

Philipp Poisel kam extra aus Stuttgart und nahm sich richtig Zeit: es ging um sein Benefizkonzert für eine Palliativklinik - ein schwieriges Gesprächsthema, das man nicht so einfach in einer halben Stunde führen kann. Bereits da hat Philipp den Besuch mit Matthias Schweighöfer angekündigt. Philipp ist inzwischen ein guter Freund von hr3 und wenn ich an die kleine Aktion auf dem Eisernen Steg in Frankfurt denke, muss ich schmunzeln. 400 Fans kamen zum spontanen Konzert und Philipp war mehr als zufrieden.

Xavier Naidoo spricht über Unfall als Baby

Beim Interview mit Xavier, Klimas und Henning von den Söhnen Mannheims erzählte Xavier, wie er im Alter von drei Monaten mit dem Kinderwagen aus dem fahrenden Zug herausgefallen war. Damals, 1971, gab es noch Schiebetüren: Man hat die eine Seite gezogen, dann ging die andere Seite mit auf. "Meine Mutter stieg mit ihrem Neugeborenen in die Bahn, OEG heißt sie bei uns, fuhr dann durch die Kurve zu uns nach Hause, von einem Ort zum Nächsten. Und dann ist die Tür aufgegangen und mein Kinderwagen ist herausgerollt. Meine Mutter war drei Tage im Krankenhaus, ich durfte gleich nach Hause."

Backbeats auch auf anderen Pfaden unterwegs

Reizend war Jem Cooke, die ein tolle Sängerin ist und der wir einen Hit wünschen, damit sie beim breiten Publikum bekannt wird. Sie hat es verdient. Oder Tim Bendzko, der gleich laut gelacht hat, als ich ihn fragte: was qualifiziert ihn, um die Welt zu retten? Sein Album "Wenn Worte meine Sprache wären" kam im Juni, bereits im Oktober gab es Gold dafür und für die Single "Nur noch kurz die Welt retten" Platin.

Jonathan Jeremiah: was für eine Entdeckung, was für ein charmanter Mann! Das Interview mit Dick Brave fand in der "Batschkapp" statt. Draußen 35 Grad, alle Fenster offen, alle drei Minuten fuhr eine Bahn vorbei - keine idealen Voraussetzungen für ein Interview. Nach kurzer Absprache haben wir uns geeinigt: Sasha spricht als Dick Brave und ich versuche nicht auch so komisch zu sprechen, was aber kaum zu schaffen ist. Dass Dick Brave fast sieben Jahre in Wäldern Kanadas verschollen war, ist bekannt. Er hat sich, nachdem er gefunden wurde, recht schnell erholt.

Dass Dick Brave und die Backbeats noch besser geworden sind, war an diesem Abend in der Batschkapp klar. Aber, haben Sie sich schon mal gefragt, was die Backbeats in den sieben Jahren gemacht haben, während Dick Brave von einer Frau sozusagen "gefangen" wurde? Ich habe Martell Beigang, den Schlagzeuger der Backbeats, in Kön getroffen: 2007 erschien sein erfolgreiches Romandebüt "Unverarschbar" , 2009 das Hörbuch gelesen von Sasha, 2010 waren beide zusammen auf ausverkaufter Lesetour mit Musik. Er spielt bei Peggy Sugargill, bei Jessica Gall, bei "M Walking on the Water", bei "Hallo Erde". Und Adriano Batolba, der Gitarrist bei den Backbeats, hat seine eigene Band.

Durch Zufall wird aus Fuck Off "Le Freak"

Oder Jedward: die beiden Brüder haben das Kommando übernommen, sie waren völlig in ihrer Welt, sie waren laut und fröhlich, sie haben jeden Song, der angesprochen wurde, gesungen. Wahnsinn!

Solveig von Katzenjammer weinte, als sie von Goran Bregovic erzählt hat und ja: die Sonnenbrille: Taio Cruz und Aloe Blacc nahmen ihre Sonnenbrillen einfach nicht ab.

Großartige Geschichten erzählte Nile Rodgers bei Night Of The Proms. Z.B. die Geschichte zum Hit "le Freak": "Grace Jones hatte uns eingeladen zu ihrem Silvesterkonzert 1977, denn sie wollte, dass wir ihr nächstes Album produzieren. Wir sollten also am Bühneneingang klopfen. Das machten wir und sagten, worum sie uns gebeten hatte: dass wir persönliche Gäste sind von Miss Grace Jones. Der Typ knallte die Tür vor unserer Nase zu, nicht ohne uns vorher - entschuldigt, liebe Radiohörer - ein kräftiges Fuck Off zuzurufen. Wir gingen frustriert zu mir nach Hause und improvisierten musikalisch vor uns hin. Aaaaah Fu** Off- Das fanden wir dann richtig gut. Wir änderten den Text in Freak Out, schrieben ein Lied auf Studio Fifty Four.

Wir feierten aber anstatt zu protestieren. Und auf seltsame Weise wurde das die Philosophie des Projekts Chic. In dieser Nacht wollten wir mehr als alles auf der Welt ins Studio Fifty Four. Mitternacht mit Grace Jones in ein brandneues Jahr. Alle sind fröhlich, und wir kommen nicht rein. Und das macht manchmal die Magie der Musik aus: Wir bekamen nicht, was wir wollten, aber doch mehr, als wir uns jemals vorstellen konnten: Den größten Hit unseres Lebens. Le Freak bekam Dreifach-Platin für 6 Millionen verkaufte Exemplare in Amerika, 12 Millionen weltweit. Alles nur aus Versehen. Irgendjemand hat uns beschützt und gesagt: Weißte was? Du bekommst keinen Eintritt ins Studio Fifty Four, aber du bekommst etwas viel Größeres: Eine Karriere!"

Interview mit Udo um Mitternacht?

Ich durfte auch Emin interviewen. Emin wurde in Baku in Aserbaidschan geboren, er verbrachte seine Kindheit in Moskau, mit 13 ging er mit der Familie nach New York, er besuchte dort die Schule, stieg in die Firma der Eltern ein. Er hat schon fünf Alben veröffentlicht und ist in Russland und Aserbaidschan ein echter Popstar. Heute lebt er zwischen New York, London und Baku. Er ist 32 Jahre alt, er ist Vater von Zwillingen und verheiratet mit der Tochter des Präsidenten von Aserbaidschan. Sein Herz schlägt für Musik. Er hat uns besucht und sein Album "Wonder" vorgestellt, das bei BBC Radio 2 das Album der Woche war.

Ach ja! Udo nicht vergessen: Udo Lindenberg sagte, ich könne ihn gegen 23.30 Uhr zum Interview treffen. In Hamburg. Dann fanden wir eine andere Lösung: ich schickte ihm die Fragen und er schickte mir seine Antworten in feinster Qualität. So ist es dann geschehen. Als Udo später in der Gegend von Frankfurt war, waren wir essen - es ist unglaublich, wie sich Leute freuen wenn sie ihn sehen.

Thomas D erzählt von Lieblingssau Erika

Es bleibt noch so viel, was man erzählen könnte. 2011 war musikalisch ein tolles Jahr. An dieser Stelle kündigen wir weitere Poptalks an: mit Christina Perri, Ed Sheeran, Taio Cruz, Jupiter Jones, Peter Maffay, Dionne Bromfiled, Nerina Pallot, Stefanie Heinzmann, Marit Larsen, Thomas D... und da geht es unter anderem auch um Hausschweine und seine Lieblingssau Erika.

Philipp Poisel
Marit Larsen
Stefanie Heinzmann
Ed Sheeran
Thomas D
Aloe Blacc
Jupiter Jones
Night Of The Proms
Peter Maffay
Tim Bendzko
Xavier Naidoo
Sasha




© 2018 Lidia Antonini