Geschichten & Gespräche mit internationalen
Künstlern und Künstlerinnen
10.04.2010

James Morrison

Im Juni 2006 hat er sich in Berlin den Journalisten vorgestellt, kurze Zeit danach war er bei uns in Frankfurt. Im Januar 2007 gab es in Deutschland Gold für sein Album "Undiscovered". James hat ein Konzert in Köln gegeben, danach wurde gefeiert. In den letzten Wochen haben wir viel über ihn gesprochen: Wo ist James? Was macht er? Joss Stone schwärmt von ihm, Jamie Hartman von Ben's Brother erzählt von der Begegnung mit James, Keisha von den Sugababes singt im Interview "You Give Me Something" an... Jason Mraz hat James für einen Song auf seinem Album geholt. Und vor ein paar Tagen heißt es: das neue Album von James ist fertig.

So treffen wir uns wieder im Berliner Büro seiner Plattenfirma und auch James hat den Eindruck, es ist, als sei unsere letzte Begegnung gestern gewesen.

James war viel unterwegs, mehrmals ist er um die Welt geflogen, sagt er. Er war in Australien, in Japan, er war mit John Mayer auf dessen Amerika Tour, dann ist er allein durch Amerika getourt. James Morrison hat großartige Dinge erlebt:

Als Rod Stewart in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen wurde, war James dabei und als Rod ihn gelobt hat, wurde James klar, dass er wohl etwas richtig gemacht haben muss.

Zwar freut es James wahnsinnig, wenn ihn Fans feiern und in Konzerten alle Songs mitsingen, aber wenn ihn seine Idole loben, ist das schon etwas ganz Besonderes. Eines dieser Idole ist Cat Stevens, oder wie er jetzt heisst: Yusuf Islam. Vor ein paar Wochen rief ihn ein Agent an und sagte: Yusuf will dich sprechen. Schon war Yusuf am Telefon und James total verdutzt. "Wills du für mein neues Album singen?", fragte ihn Yusuf. So war James bei Cat/Yusuf im Studio und Yusuf hörte nicht auf ihn zu loben: "Toll, ganz toll, und jetzt noch dieses Lied... und noch eins..." Als James seinem Vater davon erzählt hat, war dieser mächtig stolz. Eines der Lieblingslieder von James ist "The First Cut Is The Deepest". Das Lied singt er bei fast jedem Konzert. Hinreisend! Cat/Yusuf kann gar nicht anders als ihn einzuladen.

Und was war das Allergrößte? James durfte Stevie Wonder treffen und alle Stevie-Wonder-Lieder kamen ihm in den Sinn. Und bevor er den Satz beendet, singt James "Isn't She Lovely". Jeder weiß, dass Stevie blind ist, aber wenn man Stevie fragt was er so an Weihnachten macht, sagt Stevie: "Fernsehen schauen!" und jetzt hat er auch James zum lachen gebracht: Stevie trägt die "Stevie Wonder Unterwäsche" - mit seinem eigenen Namen als Marke.

Und noch etwas hat James gemacht: Er hat Gesangsunterricht genommen. Bei Jo Thompson, einer der führenden britischen Gesangslehrerinnen. James musste es tun, denn er hat nicht gewusst wie man richtig atmet und mit der Stimme arbeitet. Bei ihm ist alles nur das Gefühl, das er rausschreit. Oft war er heiser, dazu raucht er immer noch und er hat Angst die Stimme zu verlieren. Joss Stone hat das gleiche Problem, sie allerdings meint, der Schlaf hilft ihr. Hört man James jetzt bei "You Make It Real" singen, klingt er schon weniger angestrengt.

Hat der große Erfolg James verändert? Nein. Die Menschen um ihn sind anders geworden, sagt James. Er hat nur etwas mehr Geld und lernt mit der neuen Situation umzugehen. Mit dem Geld, das er verdient hat, konnte er einiges machen. Ein schönes Haus für seine Mutter kaufen zum Beispiel, und er konnte mit seinen Geschwistern Urlaub machen.

Sein zweites Album heißt: "Songs For You, Truths For Me" Songs For You? - das sind die Lieder für seine Freundin Gil. Und "Truths For Me" - das ist die Wahrheit für ihn. Denn, James will in der Realität bleiben. Ja, die Arbeit am zweiten Album war komplizierter, es gab diese Schere im Kopf. Beim ersten Album war es mehr oder weniger ein Versuch, er hatte nichts zu verlieren. Jetzt muss es klappen, denn ohne Erfolg hat er keinen Plattevertrag mehr. Das Musikgeschäft ist hart. Wann soll das Album erscheinen? "Ende September...." James kann schon etwas Deutsch. Er hat Deutsch in der Schule gelernt, aber der Lehrer war so schlecht. Außerdem wollte James raus und Spaß haben. Jetzt versucht er, so viel zu lernen wie es geht. In jedem Land, in dem er ist.

Natürlich wird er in Deutschland auftreten, auch wenn die Deutschen immer auf die Eins klatschen. Wie oft hat James vorgemacht, dass man auch auf die zwei klatschen kann!? Nein, die Deutschen bleiben brav bei der Eins!

Auf dem neuen Album hat er ein Duett mit Nelly Furtado. Der Song ist gut, Nelly hat diese klare Stimme. James würde gerne auch mit Duffy oder Amy Winehouse zusammen singen. Aber sie würden es nie tun... Ich sagte zu ihm: "James, das Leben ist voller Überraschungen, man weiß es nie...." Er ist sich trotzdem sicher, dass Amy so viele eigene Probleme hat, dass sie nicht mit ihm singen würde.

Dann erzählt er von der Zusammenarbeit mit Ryan Teder von One Republic. Sie hatten einen Tag und haben einen tollen Song gemacht. Ryan hat ihn sehr beeindruckt. James fragte ihn, welche Instrumente er spielt. Und Ryan hörte nicht auf aufzuzählen... Mit Gary Barlow hat er auch einen Tag verbracht, aber sie haben nichts gemeinsam geschrieben. Gary ist ein toller Songschreiber, aber die Musik, die James und er machen, ist komplett unterschiedlich.

James nimmt nichts für selbstverständlich. Seine wichtigste Stütze im Leben ist Gil. Gil ist das einzig Wahre und Echte. James und Gil erwarten ein Baby. Für sie hat er "You make it real" geschrieben, als die Welt James für sein erstes Album bewundert hat. James sagt mit weicher Stimme: "Dieses Lied sagt, wie schön es ist inmitten dieser verbogenen Wirklichkeit jemanden zu haben, der dich erdet, auf den du dich verlassen kannst. Und für mich ist das Gil." James kann nach Hause kommen und dann weiß er: Das ist die Wirklichkeit, er ist nicht auf einem anderen Planeten.

Gary Barlow
James Morrison
Nelly Furtado




© 2021 Lidia Antonini