Geschichten & Gespräche mit internationalen
Künstlern und Künstlerinnen
31.01.2011

Johannes Oerding

Kurz nachdem Johannes Oerding uns zum ersten Mal im hr3-Studio besucht hatte, erschien sein erstes Album. Seine Songs "Engel", "Wenn es einen Gott gibt" oder "Tage werden anders sein" sorgten für großes Interesse bei unseren Hörern. 2010 kam Johannes dann zu hr3@night - das Interesse war so groß, dass er dreimal hintereinander hätte spielen können.

Johannes Oerding ist 29 Jahre alt, keine Starallüren, ein natürlicher Typ, ein sehr guter Sänger und Songschreiber. Nun hat er sein zweites Album fertig und strahlt über beide Ohren. Alles läuft bei ihm gut, er ist total zufrieden. Wenn es um seine Musik geht, kann man aus den Texten die Person Johannes Oerding gut kennenlernen, weil die Texte überwiegend autobiographisch sind. Johannes ist einer von den jungen Künstlern, die man so beschreiben könnte: zart besaitet, Mann mit aufgewühlter Seele. Seine aktuelle Single heißt "Reparier'n". Johannes Oerding zeigt seine Gefühle und Schwächen. Wie oft hat man Frauen gesehen, die sich an eine starke Männerschulter angelehnt haben und den Beschützer in ihm geweckt haben. In letzter Zeit - mit Philipp Poisel, Ingo Pohlmann, Samuel Harfst und eben Johannes Oerding - erkennt man einen neuen Trend.

Johannes hat zwar Marketing studiert, er ist aber lieber Musiker - Zahlen und nüchterne Marketingforschungen sind nicht sein Ding. Deshalb lässt er bei seinen Alben andere das Marketing übernehmen, er behält aber alles im Auge, weshalb ihn seine Band und Crew mittlerweile "Johnny Controlletti" nennen. Auf der anderen Seite kann man verstehen, dass ein Musiker eben anders funktioniert und für einen Marketingstrategen nicht unbedingt geschaffen ist.

Sein neues Album heißt "Boxer". Es ist kämpferisch, emotional, nachdenklich, optimistisch, und jeder der lebt, liebt und ab und zu über das Leben nachdenkt, kann sich in den Songs wiederfinden. In "Boxer" geht es um einen Menschen, der Niederlagen wegstecken kann, weil jeder weiß, dass er eigentlich nichts zu verlieren hat. Eine Metapher, die so ziemlich auf jeden Menschen passt, der mit beiden Beinen im Leben steht. Der Song "Erster Klasse" ist witzig, mit einer Mundharmonika vom Feinsten. "Morgen" ist eigentlich der Tag, an dem alle Dinge passieren, bei denen man inkonsequent ist. Johannes raucht tatsächlich nicht mehr, aber das Gitarrenspiel hat er sich selbst beigebracht, weil er den Unterricht auch nicht konsequent durchgezogen hätte. Der Song "Gelandet" verbreitet Ruhe und Zufriedenheit.

Hosenträger sammelt Johannes nicht mehr, aber er bekommt sie immer noch geschenkt. Und zur Diskussion um den Beruf des Wahrsagers (ob dies nun ein echter Beruf sei oder nicht) hätte er mit einem "Ja" beitragen können, denn eine Wahrsagerin hatte ihm vor etwa 15 Jahren vorausgesagt, dass er von sich reden machen wird, aml ein ganz Großer wird. Und wann immer etwas nicht so gut läuft, denkt er an die Wahrsagerin: Sie hat es ja vorausgesagt hat und es ist alles gut.

Wenn ich jetzt eine Wahrsagerin wäre, würde ich voraussagen: Es läuft weiterhin so gut für Johannes Oerding, und beim nächsten Treffen wird er wieder über beide Ohren strahlen!

Johannes Oerding
Philipp Poisel




© 2018 Lidia Antonini