Geschichten & Gespräche mit internationalen
Künstlern und Künstlerinnen
17.01.2013

Johannes Oerding

Am 19. Januar 2011, anlässlich seines Albums "Boxer", haben wir unser Interview mit folgenden Worten beendet:

"....eine Wahrsagerin hatte ihm vor etwa 15 Jahren vorausgesagt, dass er von sich reden macht und ein ganz Großer wird. Und wann immer etwas nicht so gut läuft, denkt er an die Wahrsagerin: Sie hat es ja vorausgesagt, und es ist alles gut. Wenn ich jetzt eine Wahrsagerin wäre, würde ich voraussagen: Es läuft weiterhin so gut für Johannes Oerding, und beim nächsten Treffen wird er wieder über beide Ohren strahlen."

So ist es gekommen. Am 16. Januar 2013 ist Johannes Oerding anlässlich seines dritten Albums "Für immer ab jetzt" wieder bei uns, und er strahlt genau so wie vor zwei Jahren!

50 Fans sind ihm sicher

"Was wirklich schön zu sehen ist - und das hat auch etwas mit dem Albumtitel "Für immer ab jetzt" zu tun -: Einerseits habe ich inzwischen eine ganz tolle Basis an Fans, die zu den Konzerten kommen, oder auch an Freunden und Geschäftspartnern. Ich bin inzwischen überzeugt, daß ich die nächsten zehn bis zwanzig Jahre immer Live-Musik machen kann und schlimmstenfalls immer noch 50 Leute zu meinem Konzert kommen. Aber auf der anderen Seite sehe ich mich immer noch als jemand, der am Anfang ist, weil ich glaube, daß dieser normale Weg eines Musikers auch eine gewisse Zeit braucht. Die größten Musiker weltweit haben zunächst drei bis vier Alben rausbringen müssen, bis sie ihr Fundament hatten, und dann schafften sie den Sprung mit dem richtigen Song, mit dem sie die ganz große Hürde genommen hatten. Mein Hauptziel, eine musikalische Basis zu haben, ist erreicht. Was jetzt passiert, ist wirklich alles on top.

Nur das "Best Of" darf aufs Album

Aber das heißt jetzt nicht, dass ich aufhöre oder mich zurücklehne. Ganz im Gegenteil! Ich habe das schon beim neuen Album ein bißchen gemerkt: Man muß sich ganz viel Zeit nehmen und darf sich nicht zufriedengeben mit den ersten zehn Songs, die man schreibt! Wir haben für das neue Album 25 geschrieben und dann die Qual der Wahl gehabt. Man denkt vielleicht: 'Ich finde ja alle meine Songs toll...!'. Aber wir haben wirklich bis zum letzten Moment vor der Pressung an Zeilen und Worten gefeilt, weil es mir so wichtig war, daß auf diesem Album kein Füllmaterial drauf ist, sondern daß jeder Song eine Berechtigung hat, raus in die Welt zu dürfen."

"Glücksburg"

Aufgenommen wurde das Album an einem ungewöhnlichen Ort. Nach einem Konzert in Flensburg haben Johannes und die Crew im Hotel "Glücksburg" übernachtet, und Johannes gefiel es dort so gut, daß die Idee entstand, dort die neuen Songs aufzunehmen mit Blick auf's Meer in einem mobilen Studio unter dem Dach des Hotels, und wenn man einen leckeren Kaffee haben wollte, hat man ihn sofort bekommen.

Für jeden was dabei

Entstanden ist ein Album mit 12 wunderbaren Songs: Sie sind vielseitig, poetisch, rückblickend, vorausschauend, mit großartigen Texten und sehnsüchtigen Melodien. Johannes erzählt: "Es gibt Trennungslieder wie 'Jemanden wie dich' oder 'Nichts geht mehr', die habe ich bereits vor vier oder fünf Jahren begonnen zu schreiben, aber irgendwie bin ich nicht weiter gekommen, weil ich damals nicht das Gefühl hatte, daß ich darüber schreiben muß. Zufällig fallen einem dann sechs Jahre später die Zeilen buchstäblich vor die Füße! Bei 'Nichts geht mehr' hatte ich die Strophen fertig, aber der Refrain hieß bis dato 'Alles verspielt, alles verloren...'. Ich wußte: Es fehlt noch etwas Wichtiges!

"Nichts geht mehr"

Dann habe ich auf einem Kreuzfahrtschiff jeden Abend mit den Jungs aus der Band im Casino gespielt. Am Roulettetisch konnte ich am ersten Abend mein Geld verdoppeln und dachte, ich hätte jetzt Roulette verstanden. Am nächsten Abend wollte ich den Jackpot knacken, wie das naive Spieler halt so machen. Natürlich habe ich am nächsten Abend doppelt so viel verloren. Aber diese Dame, die immer die Kugel spielt, sie saß den ganzen Abend da und sagte immer wieder 'Rien ne va plus - nichts geht mehr.... rien ne va plus - nichts geht mehr ...' Dieser Satz hat sich bei mir so eingebrannt, ich war so genervt, dass ich alles verloren hatte, dass ich dachte: Hey, das paßt doch gut zusammen! 'Nichts geht mehr'. So muss der Song heißen! Dieser kleine Satz hatte mir noch gefehlt, und da war der Song fertig." Und diesen Song hat Johannes Oerding in der Fernsehsendung "Inas Nacht" gesungen.

Johannes und Ina

Natürlich stürzen sich alle Journalisten auf die Beziehung zwischen Johannes und Ina Müller, manche Interviews basieren auf einer einzigen Feststellung: "Sie sind mit der Entertainerin Ina Müller liiert....". Damit muß er leben. Johannes hat auf dem neuen Album für Ina Müller den Song "Mein schönster Fehler" geschrieben. "Das ist das intimste Lied auf dem Album. Manchmal verspüre auch ich den Drang, romantisch zu werden: Das Lied ist reflektiert 1 zu 1 meine Gedanken. Vielleicht ist es deshalb so intim und authentisch."

Und zu immer wiederkehrenden Fragen nach Ina Müller sagt er: "Man muß realistisch sein: Wenn nun mal zwei Menschen zusammenfinden, die beide in der Öffentlichkeit stehen, wird es ganz schwierig. Entweder geht man ganz offensiv damit um, wie die van der Vaarts zum Beispiel, oder man versucht, wenig preiszugeben. Aber auch dann wird immer etwas geschrieben. Ich glaube, das ist auch ein bißchen der Feenstaub, der gehört dazu hier in Deutschland, und man muß einfach damit klarkommen. Nach vier Jahren stört mich das gar nicht mehr, und es nervt mich auch nicht! Es ist nach wie vor etwas Schönes. Wenn zwei Menschen zusammen sind, ist das eher eine schöne Geschichte, und da kann man nicht wirklich etwas Schlimmes darüber schreiben."

Daß die beiden sehr ähnlich sind, bestätigt er: "Man merkt schon, dass es ähnliche Werte und Normen gibt, die einen auf dem Land geprägt haben, deshalb versteht man sich auch so gut. Am Ende des Tages kriegt man doch den Dorfjungen und das Dorfmädchen nicht raus aus den Menschen, und ich glaube, das ist eine gute Basis."

Keine Kippen, kein Alkohol, kein Gelaber

Demnächst geht Johannes auf Tour, allein, aber auch im Vorprogramm von Joe Cocker, weil er immer weiter lernen will.

Johannes erklärt, daß er nach wie vor ein unruhiger Geist ist. Jetzt hat er aufgehört zu rauchen, und manchmal soll man ihm besser aus dem Weg gehen. Aber er ist fest entschlossen, durchzuhalten, denn wenn er raucht, dann trinkt er was, wenn er etwas getrunken hat, dann redet er viel, und dann leidet die Stimme. Und er will noch so viel erreichen, damit wir auch beim nächsten Album sagen können: die Wahrsagerin hat Recht gehabt! Es läuft alles gut!

Johannes Oerding




© 2018 Lidia Antonini