Geschichten & Gespräche mit internationalen
Künstlern und Künstlerinnen
08.09.2010

Paolo Nutini

Im Moment, in dem diese Zeilen geschrieben werden, befindet sich das Album "Sunny side up" �seit 50 Wochen in den britischen Top Ten Album Charts!

Es ist noch relativ früh am Tag und Paolo ist noch etwas müde. Schwarzer Kaffee tut ihm gut, wir grooven uns langsam in das Gespräch ein, bloß kein Stress.

Dass das Album schon so lange so erfolgreich ist, erstaunt am meisten Paolo selbst, denn die Plattenfirma hat beim Album lange gemeckert: das Album hätte keine klare musikalische Linie, die Songs seien altmodisch und die Produktion altbacken. Nach dem Erfolg seines ersten Albums "These streets" 2006, wollten jetzt alle mitreden, jeder hatte einen Rat, jeder wusste wie alles funktioniert und wie die Songs sein sollen. Paolo wollte nur ein schönes Album machen. Da brachte er einen erfahrenen Produzenten, Ethan Johns, ins Spiel, und keiner traute sich Ethan Johns zu widersprechen. Seit das Album im Juni 2009 veröffentlicht wurde, hatte Paolo keine Zeit in Deutschland Interviews zu geben. Mit "Sunny side up" sind nicht etwa Frühstückseier gemeint, sondern ein positives Album, "wie ein Spiegelei serviert"s - voller Wärme und Gefühl. Was für schöne Songs hat Paolo da gemacht! "Growing up beside you", "Coming up easy", "Candy" ...man möchte sie immer wieder hören... Wie wichtig ist dieses Album für Paolo? Er sagt: "Durch die Songs lerne ich mich erst selbst kennen, ich versuche meinen Weg in die Zukunft zu erkennen, die Songs verraten mir viel über mich selbst."

Seine Eltern arbeiten nach wie vor in ihrem "Fish and Chips"-Imbiss, wo auch Paolo gearbeitet hat. Die Familie weiß genau wie man richtig frittiert, und zwar so, dass die Kruste nicht zu dünn, nicht zu dick und nicht zu weich wird. Paolo könnte den Eltern jetzt ein schönes Haus kaufen und seine Schwestern könnten öfter ans Meer fahren, aber da sind noch Tanten und Onkels und Großeltern und die Familie entscheidet was passiert. Wenn sie nicht mehr abrieten würden, wäre es für Beteiligten langweilig. Auf dem Album hat er einen Song für seinen Vater geschrieben "Simple things". Für seine Mutter würde er auch gerne einen Song schreiben, aber er findet immer noch keine passenden Worte.

Paolo ist nachdenklich, die meiste Zeit versucht er herauszufinden was er machen möchte. Vielleicht auch deshalb, weil er sich von seiner langjährigen Freundin Terry getrennt hat. Eigentlich will ich gar nicht über das Thema reden, aber Paolo beschreibt wie großartig Terry sich ums Haus und alles andere �gekümmert hat, während er auf Tour oder mit dem Hund spazieren war. Eines Tages waren Terry und er in der Küche und er hat das Lied für sie geschrieben "10/10". Von den möglichen zehn Punkten hat er ihr alle zehn gegeben. Jetzt hofft er, dass Terry seine Songs auf dem Album hört und sich an die guten Zeiten erinnert. Paolo behauptet hin und wieder älter zu sein als er ist. Auf seinem ersten Album "These streets" gibt es den Song "Jenny don't be hasty" - darin sagte er, dass er 23 ist, dabei war er zu diesem Zeitpunkt erst 18. Jetzt sagt er manchmal, dass er 26 sei, es macht ihm Spaß zu sehen wie sich ach Frauen in seiner Gegenwart jünger machen. Tatsächlich ist er 23.

P!nk ist ein Fan von ihm und es überrascht nicht, dass er bei P!nk im Vorprogramm spielt. Hat sie sein Schottisch verstanden? Paolo sagt, dass er sehr häufig nicht verstanden wird. Seine Gesprächspartner gucken dann begriffsstutzig und oft muss jemand her, der schottisch ins Englisch übersetzen muss. Ob ich ihn verstehe? Jedes Wort! Nach den Interviews mit Marti Pellow, Amy MacDonald, Jim Kerr, Sharleen Spiteri, Midge Ure, Pearlfishers und vor allem mit den Proclaimers - �hat man fast einen Kurs in der schottischen Sprache genossen! Paolo freut sich: "Wenn man ihn gut versteht, ist alles viel, viel einfacher..."

Paolo ist ein riesen Fußballfan, und auch wenn Schottland nicht bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 dabei ist, weiß er wenn er unterstützen möchte! Er wettet auf Honduras, warum nicht? Auch wenn Argentinien als Nation nicht sehr lange Fußball spielt!

Paolo selbst wäre gerne Fußballmanager - natürlich bei Celtic Glasgow: er besorgt die Spieler, er gibt Ratschläge, er würde nicht einmal Geld dafür verlangen! Paolo hat so viele Ideen.

Nach einer Stunde Gespräch wird viel gelacht und Spaß gemacht und Paolo verspricht beim nächsten Mal unbedingt für uns ein paar Songs zu spielen. darin ist er am besten.





© 2021 Lidia Antonini