Geschichten & Gespräche mit internationalen
Künstlern und Künstlerinnen
18.04.2017

PHILIPP POISEL

Frankfurt, Festhalle, 12. April 2017
Konzert Philipp Poisel


2008 habe ich ihn kennen gelernt. Es war im Kölner Stadtgarten. Eine handvoll Menschen war da, vor dem kleinen Konzert haben wir ein Interview gemacht. Das war etwas holprig. Bereits an diesem Abend sagte ich: Philipp Poisel hat es mir nicht leicht gemacht, aber er ist etwas ganz Besonderes, seine Musik hat was... 2017 ist Philipp Poisel in der Frankfurter Festhalle. Mindestens 10.000 Menschen sind da. Beide Ränge sind voll, der nicht bestuhlte Innenraum ist - voll. Seit unserem letzten Interview im November 2016 habe ich Philipp Poisel nicht gesehen, aber ich habe die Veröffentlichung seines Albums "Amerika" und alle weiteren Interviews verfolgt. Natürlich habe ich mich gefragt ob man mit dieser Art Musik, die Philipp macht, eine Festhalle ausverkaufen kann. Philipp Poisel kann es. Es ist klar: die ausverkauften großen Hallen, wie die in Köln und Hamburg bedeuten, dass es mit kleinen Klubs für Philipp vorerst vorbei ist. Das Konzert am 12. April war perfekt. Alles was man an diesem Abend gehört und gesehen hat, war Beweis dafür welch Talent Philipp Poisel ist und ein Beweis seiner großen Liebe zum Detail. Die neuen Songs seines #1 Albums "Mein Amerika" haben perfekt zu den älteren Songs gepasst, das junge Publikum war beseelt und hielt sich an den Händchen. Oft hat Philipp ein Lied kaum angefangen zu spielen und schon hat die ganze Festhalle mitgesungen.Zwischen Künstler und Publikum entsandt eine Nähe, die man nicht nur in großen Hallen nur schwer hinbekommt. Auch Philipp war überglücklich. Was für ein grandioser Abschluss einer tollen Tour.

Wir blicken zurück: 17. November 2016, vier Monate vor der Veröffentlichung seines Albums "Mein Amerika". Philipp Poisel und ich im Interview.

Lidia: Philipp, Du hast eine längere Pause gemacht. Was hast du gemacht, womit hast du dich beschäftigt?

Philipp: Was mir als Erstes einfällt ist natürlich die Reise nach Amerika die ich gemacht hab um mein nächstes Album aufzunehmen und in der Zeit davor hab ich’s mir glaube ich relativ gemütlich gemacht: ich war viel zu Hause, ich bin viel Fahrrad gefahren und hab eigentlich in meinem allerkleinsten Umfeld gelebt ohne große Ambitionen zu haben raus zu gehen, fast wie in einer Höhle, in der man es sich gemütlich eingerichtet hat. Irgendwann kam der Punkt wo ich gemerkt hab jetzt sollte vielleicht wieder etwas passieren.

Lidia: Was hat sich bei Dir in letzter Zeit verändert?

Philipp: Das ist unheimlich gewachsen, glaube ich, mein Umfeld auch. Von jemanden, der mit der Gitarre am Lagerfeuer saß und angefangen hat Songs zu schreiben, über MySpace wo ich erste eigene Auftritte mir organisiert hab, bis heute wo ich kurz vor einer Arena Tour stehe, wo ich selber noch nicht genau weiß wie ich das überhaupt einordnen soll. Scheint ein großer Sprung zu sein.

Lidia: Wie kam es, dass Du nach Nashville gegangen bist um Dein neues Album aufzunehmen ?

Philipp: Also, ich glaube beim Projekt Seerosenteich, mit dem ich auch sehr lange sehr zufrieden war, ist vieles zum Zuge gekommen, was ich mir Jahrzehnte drauf geschafft habe. Da war ich auf sehr sicherem Terrain unterwegs und mit dem Erfolg kamen auf einmal auch finanzielle Möglichkeiten dazu einen Trip nach Amerika zu machen und dort ein Album aufzunehmen. In meiner Phantasie hatte das alles eine viel größere Dimension und war spektakulärer. Ich habe mir eigentlich gewünscht, in den Momenten wo wir in größeren Hallen gespielt hatten, da anzuknüpfen, daraus etwas zu machen. Also, diese große Halle nicht anonym zu betrachten, sondern ich habe mir die Frage gestellt schaffe ich es auch in einer so großen Halle, in einer so großen Dimension auch etwas zu bewegen auf irgendeiner Art und Weise. ich habe bei den Soundchecks in den größeren Hallen meine Stimme gehört und die klang ganz anders als bei mir im Zimmer, wo ich meine Songs aufgenommen ha oder in kleineren Clubs und da hat mir irgendwie die Vorstellung und der Wunsch in einer Rockband zu sein gepackt. Also, auch mal *ne andere Seite zu zeigen, wo man schreit und laut ist und wo man nicht nur gefühlvoll sondern auch mal rücksichtslos in einem Rahmen, der es einem erlaubt (sein kann). Ich glaube, da wo ich groß aufgewachsen bin, wo sich mein Stil geprägt hat, unter dem Dachboden von meinen Eltern musste ich immer leise sein, meine Musik war ein Störfaktor, zu Beginn zumindest. mal frei zu sein, mal so laut zu singen wie man will irgendwo wo man nicht stört, sondern da wo es auch hingehört. Den Wunsch hatte ich und dann ging es Schlag auf Schlag. dann wurde es organisiert, dann sind wir nach Amerika gefahren und ich kam gar nicht richtig mit. Ich kam in meiner Gedanken und Seelenwelt gar nicht mir und ich werde noch Jahre brauchen zu verarbeitend was da überhaupt passiert ist.

Lidia: Amerika ist auch im Titel Deines Albums..

Philipp: Ich war in Amerika und damit ich später auch mal daran erinnern kann, immer alles angefasst, weil ich es nicht glauben konnte. Es ging alles so schnell, dass ich noch etwas hinterher hinke, alles geht glaube ich schneller im Moment als ich selber sein kann oder vielleicht auch sein möchte. Vielleicht ist dieses Amerika auch nur ein Anfang, vielleicht gibt’s noch mal ein Amerika-Album, vielleicht kommt das richtige Amerika Album. ich habe mit dem Albumtitel gehadert weil dieses Projekt "Mein Amerika" schon von mir stammt, mein Wunsch ist. Vielleicht ist es noch gar nicht fertig, vielleicht geht es über mehrere Jahre, mehrere Alben sogar.

Lidia: Deine Texte sind auf dem neuen Album anders, Du arbeitest mit Metaphern und Bildern, die man nicht immer nachvollziehen kann. Worin liegt die Veränderung?

Philipp: Manche Texte kommen unterbewusst, sind so eine Art Blindtext, sie entstehen im Moment wo ich gar nicht darüber nachdenke und das sind Wortkreationen dabei, die ich mir später anschaue wie ein Zuhörer. Was ich wollte ist kein "Projekt Seerosenteich" mehr zu machen. Ich glaube, rein intellektuell habe ich da keinen Sinn gesehen, selbst wenn ich Lust nach ein bisschen Geborgenheit hätte habe ich selber von mir erwartet mich nicht zu wiederholen, mich zu zwingen wo sind noch unterschrittene Wege, wo sind noch andere Wünsche, andere Seiten von mir, wo ich noch nicht war... was gibt es noch? was kann man noch ausprobieren? Ja, sehr überlegt, fast berechnend, fast kalkuliert. Ich glaube, dass dieser Schritt, dass die Musik für mich Existenz geworden ist und ich nicht mehr bei meinen Eltern wohne und von dort aus es mache und einen Hafen habe, da hat auch eine Verlagerung in meinem Leben stattgefunden.

Lidia: Deine Band klingt etwas anders... präsenter.

Philipp: Im Vergleich zu den Alben davor, wo ich mich, sag ich mal, hauptverantwortlich für die Handschrift gefühlt habe, wollte ich dieses Mal wollte ich dieses Mal auch die Band mehr rein holen, weil für mich zu diesem Rockstar und band-Ding auch dazu gehört, dass die Band sich auch beteiligt.

Lidia: Deine Tour bringt Dich in große Arenen. Welche Erfahrungen hast Du bis jetzt bei großen Konzerten mit Deiner Musik gemacht, die überwiegend leise ist?

Philipp: Witziger weise war alles im Fluss ich habe es auch nie hinterfragt. Dieser Moment wie jetzt wo ich mich frage, schafft ich es auch für mich ein befriedigendes Erlebnis auf die Beine zu stellen in der Arena, hatte ich in dem Moment nicht. Ich sag mal, dieses Erbe, diese Songs, die es schon gibt und auch die Fans, die zum Konzert gehören und nicht nur was wir auf der Bühne machen sondern auch die Leute, die da sind. Da wünsche ich mir und hoffe, dass die da sein werden. Davon hängt viel ab, da bin ich nicht der einzige, der die Situation kontrolliert, das ist so groß, dass ich nicht genau weiß was passiert, wie viele Leute sind denn da, wer kennt schon die Lieder, wer nicht, und es ist auch eine Frage, hat man da Freude und will man sich in dem Moment auch einlassen. Dann ist es vielleicht gar nicht so wichtig ob es laut ist oder leise. Es ist etwas Unbekanntes es hat für mich noch etwas Unbekanntes.

Lidia: Deine Lieder werden gerne bei den Casting Shows gesungen. So kam z.B. "Wie soll ein Mensch das ertragen" nach einer Casting Show auf Platz 5 der Charts. Ist das ein neuer Blick auf Deine Songs?

Philipp: Ich habe es zur Kenntnis genommen und ich habe mich darüber auch gefreut, dass ich mich selber dieser Situation nicht aussetzen brauche und, dass meine Musik trotzdem diesen Weg findet zu einer breiteren Masse: Vielleicht wäre ich selber auch gerne mal hingegangen. ich war nie in einer Fernsehshow.



TRACK BY TRACK

Erkläre mir die Liebe

Philipp: Der Song ist entstanden bestimmt aus einer Ratlosigkeit. Ich habe am Anfang, als ich das Lied geschrieben habe, immer Alin Coens Stimme gehört, das hat mir irgendwie Zuversicht gegeben und Kraft mit jemand zusammen das Lied zu singen. ich glaube, da steckt auch diese Frage drin nach dem anderen, Also dieses erhört werden, vielleicht auch etwas teilen, oder, dass man aus der Einsamkeit rauskommt durch jemanden , der dabei ist. Also, gar nicht so arg dieser Wunsch, dass da jemand intellektuell die Liebe erklärt, sondern eher als Metapher dafür "ich fühl mich allein" und, dass jemand anders sagt "ja, ich mich auch", so wie wenn zwei Leute, die nicht wissen wie die Liebe funktioniert oder auf der Suche danach sind, sich in diesem Gefühl verbinden und sich verstehen können, dann ist das vielleicht das, wonach sie gesucht haben, Und ich wollte eine Herausforderung für mich haben, anders zu singen., Falsett auch, um meinen Körper stärker zu spüren. Wenn man lauter singt, dann räsoniert auch alles und so ein Wunsch nach körperlichem empfinden. Und wenn dann jemand auch noch jemand mitsingt, dann ist es manchmal so was Transzendenz mäßiges. In einem Chor passieren auch Sachen, die man spürt und fühlt, die man gar nicht so genau beschreiben kann. Das Nachtleben spielt auch eine Rolle, dieses Streunen. Ich hatte auch Zeiten, wo ich mich nachts rumgetrieben hab in Bars wo auch Alkoholiker sind, Tagediebe, Taugenichtse und dann hatte ich auch diese Erfahrung gemacht wie es ist in dieser Ratlosigkeit unterwegs zu sein. jetzt habe ich eine Verbindung dazu, weil ich weiß, dass man sich dort trifft und vielleicht auch verbindet in dieser Ratlosigkeit wenn man mit leben nicht anzufangen weiß, wenn man nicht mehr dazu gehört zu den Leuten, die morgens aus dem Haus gehen und einen Grund haben früh aufzustehen. Für mich war das ein Ausflug und ich wünsch den Leuten, die ich da getroffen hab, dass es vielleicht nur um eine Phase handelt. Es hat auch tolle Momente gegeben, es ist die andere Seite vom Mond und es ist nicht so, dass man nichts wäre.



Roman

Philipp: "Roman" ist für mich ein Abenteuer, das Lebendiges passiert, wo gelebt wird, wo man nicht wartet, dass irgendetwas passiert. Ein Roman geht in die Tiefe. Wenn man ein Roman liest und sich darauf einlässt, dann kann man auch alles drum herum vergessen. Man leidet und lebt mit den Protagonisten und dem was im Roman passiert und das bedeutet, ich will mich mit dir im Leben einlassen, auch wenn es vielleicht nicht undendlich ist oder auch wenn man nicht weiß wie es ausgeht. manchmal ahnt man es, manchmal nicht: man muss ich zunächst mit dem Roman beschäftigen, damit man wirklich weiß wie es ausgeht. Das heißt: ich bin bereit mich mit dir auseinander zu setzen und ich bin dankbar für die Tiefe, die ich mit dir erleben darf wen ich mit dir in diesem Roman zusammen unterwegs bin. das sind Bilder drin, di für mich eine Freiheit hinterlassen. das kann meine Ex Freundin sein, oder meine Freundin, oder mein bester Freund, meine Eltern und all jenen , die ich liebe ist dieses Lied gewidmet.



Mein Amerika

Philipp: Amerika war, als ich ein Kind war, das Land, in dem alles möglich ist, aufregender ist als bei mir Zuhause, auch wenn ich eine Generation weiter zurück schaue, mein Vater hat nach dem Krieg, Cola und Kaugummis bekommen. Deshalb gab es bei mir in der Familie etwas Ambivalentes gegen die amerikanische Politik, aber die amerikanische Kultur war trotzdem immer auffegend und die wollte man schon haben. das ist was ich hier erlebe, wie sind ja in großen Teilen auch von der amerikanischen Kultur geprägt. Wenn ich sehe was für eine Fernsehserienkultur wir haben, was alles in Amerika produziert wird, was jeden Tag konsumiert wird, wie sich die Leute auf das amerikanische einlassen möchten, die amerikanischen Rockstars, die hie auftreten, die im Radio laufen, hoch und runter,. Dann zu sagen, Amerika, damit haben wir nichts am Hut, das sehe ich überhaupt nicht so , dass ich mich selber als kleiner Amerikaner durch diese amerikanische was wir haben und womit ich aufgewachsen bin. ich habe Bruce Springsteen genesen als ich klein war und das hat in mir ein Gefühl erzeugt, was ich noch heute genießen kann: dieses "Streets Of Philadelphia" Sound – Gefühl, dem jage ich noch heute hinterher, Das ist eine Inspiration noch heute für mich. Und diese Bild von Amerika habe ich mir als Traumland beibehalten. da gab es noch keinen Trump und keinen Bush: Das war einfach ein Gefühl, was ich als kleiner Junge bekommen hab, das hält nach wie vor an und das spielt in einer anderen Welt. meine Englischlehrerein hat den Kassettenrecorder gebracht und dann kam von Woddy Guthrie "This Land is your Land", es gibt auch ein demokratisches Amerika. Es ist ein aktueller Trend und eigentlich würde ich mir wünschen, dass auch die Musik, die ich mach, über Trends hinweg geht. Vielleicht kommt auch wieder eine andere Situation, wo man in Deutschland stolz ist, dass man mit Amerika ein gutes Verhältnis hat.



Wenn die Tage am dunkelsten sind

Philipp: Ich hab mal in der Fabrik gearbeitet, wo auch der Herr Reimer gearbeitet hat und da habe ich oft bedauert, dass ich nicht raus kann, dass der ganze Sommer, d in der Fabrikhalle verbracht habe. Ich habe mir den Sommer in den tollsten Farben ausgemalt ,also was ich alles verpassen würde, und wie schön es wäre Leute zu besuchen und frei zu sein einfach rumzufahren, das hat eine unheimliche Farbigkeit in meinem Kopf erzeugt. Dieser Gedanke spielt da mit rein. bei meiner ersten Lebenskrise, da wusste ich nicht ob sie vorbei gehen würde, dieser Schock war unheimlich groß. manchmal fühle ich mich heute an diesen ersten Schock erinnert, aber mein Geist, mein Kopf kann sich dann sagen: damals war das so und es gibt auch Erinnerungen, die nach dieser Zeit waren gut. ich bin mir nicht sicher, aber ich glaub einfach da dran und ich male es mir aus wie es sein wird wenn die Nacht vorbei geht. Und dann reicht schon ein Sonnenaufgang um zu sehen was möglich sein kann



Für immer gut

Philipp: Der Song ist abstrakter, glaube ich, als die Songs, die ich früher gemacht hab. So kommt es mir vor. Den kann ich aber in seiner Schämenhaftigkeit, gut akzeptieren als Ganzes und da sich ich mir Stellen raus, die mir in dem Song gut gefallen und er hat eine Vollständigkeit. Ja, ich habe den angefangen und beendet, da hat niemand mitgeredet, Ich bin nie in die Verlegenheit gekommen etwas an diesem Lied in Frage zu stellen. (lacht)



Zum ersten Mal Nintendo

Philipp: So oberflächlich ich den Song auch finde, wenn ich ihn mir anhöre, umso mehr merke ich, dass er auch ein Teil von mir ist. Diese ganze Vergangenheit ist ein Teil von mir. Manchmal porträtiert man sich selber schöner als man ist und wie man sich gerne sehen würde und wenn ich meine alte Foto box durch "kruste" , da sind Bilder dabei, da würde ich mich heute auf keinen Fall gerne sehen. Ein guter Freund von mir (Ralf Milbeck) hat mal gesagt, das ist aber dein Leben, was du da anschaust. Das warst du, das bist du, schaue es dir genau an. Ich glaube, das habe ich jetzt gemacht und ein teil von mir hat sich mit diesem Dorf versöhnt, ich fühle mich heute auch als Teil von diesem Ort, wo ich immer weg wollte. Ob ich da wirklich sterbe, mal schauen, aber ich komme immer wieder zurück und samstags esse ich da meine rote Wurscht und ich bin da viel öfter als ich mir vielleicht früher eingestehen hätte wollen. (1‘08")



San Francisco Nights

Philipp: mit mir singt Luisa Brabarro, sie spielt auch Cello im Quartett von "Projekt Seerosenteich", sie hat jetzt Lust bekommen auch Musik zu machen und in diese Popmusikwelt einzutauchen und hat angefangen zu singen. Ich nehme sie da gerne auf die Bühne um sich genauer umzuschauen wie ist es denn wenn man da vorne wirklich steht und ihr sie Chance zu geben das mal auszuprobieren. So wie ich bei Maria Mena ganz am Anfang die Chance hatte da zu spielen und Erfahrung sammeln konnte und Feedback bekommen habe, das mich bis heute noch begeistert. Für mich ist "San Francisco Nights" dieser Silberstreifen am Horizont und die Zukunftsaussicht und da wo mein gelber VW Bus hinfährt, da lass ich vieles hinter mir zurück, Da will ich hin, das ist eigentlich die Zukunft. Das ist der Moment auf den ich mich freue, nach San Francisco zu fahren, ich war noch nicht dort. San Francisco steht für etwas wo ich noch nicht war, das kann alles Mögliche sein, und da freue ich mich einfach weg zu fahren von allem. Und es geht auch um ein fest, da werde ich mich freuen, wenn man das Leben feiern kann



Bis ans Ende der Hölle

Philipp: Der Song, der es tatsächlich in den Film geschafft hat, ("Film: Das kalte Herz") den gab es schon. Ich dachte, der könnte thematisch und von der Stimmung her vielleicht passen, so dass der Regisseur sich dann für 2Bis ans Ende der Hölle" entscheiden hat. Und dann war der andere Song "Das kalte Herz" auch schon da und die Vorstellung den vielleicht aufzuführen mit dem Chor auf der Bühne und diesem amerikanischen Größenwahn da irgendwie nochmal einen stillen Moment zu geben, wo man durchatmen kann, war etwas was ich mir für Live Auftritte sehr gut hätte vorstellen könne. Wie es jetzt sein wird, mal schauen, aber die beiden Lieder, die drehen sich auch um den Film. Die Fertigstellung ist in die Zeit gekommen wo der Film auch rauskam.



Das kalte Herz

Philipp: Es gibt ein Lied, das heißt "Das kalte Herz", das habe ich geschrieben, nach dem ich den Rohschnitt von dem Film mir angeschaut hab. ich war sehr bewegt, auch von der Geschichte, auch von der Umsetzung, Es hat mich inspiriert dieses Lied zu schreiben wo es um den Köhler geht. Irgendwie hat es mir gefallen mich in den Köhler reinzuversetzen und mir selber vorzustellen, dass ich dieser Köhler wäre und das war eine große Inspiration und Freiheit in dem Moment, weil es ein Märchen ist und die Märchenhaftigkeit ist auch eine Welt wo ich meine Träume gut zulassen kann. An diesem Lied zu arbeiten, das ging wie früher, wenn manche Leute gesagt haben, die guten Songs kamen irgendwie sofort und dann waren sie da. Es ist vielleicht keine Regel, aber so ging es mir in dem Moment, der sehr leicht war eigentlich. Ich bin früher auch sehr oft in Schwarzwald gefahren und fühl mich dem auch sehr verbunden. In der Realschule habe ich "Das kalte Herz" gelesen und dieses Schaurige und dieses geheimnisvolle und diese Dunkelheit, die hat mich auch angezogen. Das hat etwas von meinem Großvater väterlicherseits, der in Russland war und in der Kriegsgefangenschaft. Als Kind habe ich immer versucht mir diese Wälder auszumalen und als jugendlicher bin sehr viel in Richtung, also geografisch, in Richtung Baltikum Unterwergs gewesen und in dieser Traurigkeit, die es dort oft gibt, habe ich mich wieder gefunden. z. B. Spanien hat mich nie so groß gereizt, aber meine Mutter, die hatte eine sehr positive Seite und da wurde auch viel Musik gemacht und diese beiden Seiten, glaube ich, die verbinden sich in mir vielleicht auch. Mit dem Nachbar, Opa Marx, der hat immer "Muss i denn zum Städtele hinaus" gesungen, an der Orgel. Dann saß ich unter der Orgel. Im Musikunterricht war dieses Volkslied das was mich berührt hat. Den Musikunterricht fand nie so wirklich langweilig. Da habe ich gemerkt wie meine Klassenkameraden, diese Lieder alt fanden, die Lieder haben mich angesprochen und ja, selber was zu machen, wo man gar nicht Protagonist ist, sondern wo man Teil ist in einem Chor, sich mit den anderen trifft und etwas singt, wo man eigentlich gar nicht weiß, wer hat es eigentlich geschrieben. Als dieser Volksautor konnte ich mich eigentlich fühlen, als ich dieses Leid geschrieben hab, weil es aus einer Märchensicht ist und aus einem Märchenfilm und gar nicht autobiografisch sein musste in dem Moment, sonder aus dem Gefühl einer Volksseele entstehen konnte und auch wieder der Wunsch mit den anderen im Chor, vielleicht auch verschwinden, sich verstecken, weil man gerade keine Lust hat im Rampenlicht zu stehen auf der großen Bühne , weil man kein Selbstbewusstsein n hat nicht weiß, womit soll ich jetzt glänzen, was soll ich machen, warum muss es um mich gehen. Mal genießt man es, mal steht man auch im Mittelpunkt wenn man die Last trägt und in dem Moment habe ich mir einfach gewünscht mich ins Publikum zurück zu ziehen und mit allen anderen da zu stehen und als Teil von etwas dieses Lied mitzusingen.



Pferd im Ozean

PhilippFür mich verkörpert der Song eine gewisse Ausgelassenheit, auch etwas, das, als ich eitel dieses Album geplant habe, nicht darauf gesehen hätte, einfach entstanden ist und es ist. Es ist so 'ne Quatsch Nummer und in dem Moment war es einfach cool im Studio zu sein und auch fröhlich. Oft ist es anstrengend gewesen und aus dieser Quatschlaune heraus und Freude mit der Band zusammen zu sein das alles zu schaffen, Und wenn wir Träume haben und miteinander sprechen und zusammen sind, dann ist es egal was passiert. Auch wenn der Text abstrakt ist , hat es für mich so was "Yellow Submarine" – mäßiges. Da finde ich dass es auch okay ist, wenn der Song drauf ist.



Philipp Poisel
Maria Mena




© 2017 Lidia Antonini