Geschichten & Gespräche mit internationalen
Künstlern und Künstlerinnen
02.11.2011

Rea Garvey

Rea sagt: "Irgendwann merkst du, dass du in eine andere Richtung gehen willst. Und du kannst es nicht aufhalten, denn sonst verweigerst du dich deiner eigenen Verbesserung." Sein erstes Soloalbum "Can't stand the silence" wird international veröffentlicht, in Deutschland ist das Album schon kurz nach der Veröffentlichung erfolgreich auf Platz 4 der Albumcharts eingestiegen. Rea erzählt in seinem Solodebüt Geschichten aus seinem Leben und dem Leben seiner Freunde. Der Song "Heart of an enemy" handelt beispielsweise von der Beziehung zu seiner Frau Josephine. Die beiden haben viel miteinander durchgemacht. Josephine ist auch seine Managerin und seine schärfste Kritikerin. Keiner steht Rea so nah wie sie. "Starke Frauen haben in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt. Josephine ist auch eine von ihnen. Ich brauche und bewundere sie." Und er hält es so wie der italienischen Spruch: "Halte deine Freunde nah, aber deine Feinde häher." Näher als seine Frau kann man ihm nicht kommen. "Sie ist natürlich kein Feind und, dass wir uns lieben, ist auch kein Geheimnis.

Der Song "End of the show" ist großartig geworden. Rea spielt Klavier darauf und ist sehr stolz, weil "ich gar nicht gut Klavier spielen kann." Andy Chatterley, mit dem Rea das Album gemacht hat, spielt viel besser Klavier, aber er hat darauf bestanden, dass Rea selbst Klavier spielen soll. "How I used to be" ist Reas persönlicher Lieblingssong auf "Can't stand the silence" - und auch der handelt von seiner Frau. Als der Ire den Song Josephine zum ersten Mal vorspielte, fingen ihre Augen an zu leuchten. "Hole of my heart" hat Jam von Jam and Spoon geschrieben. "Nach dem Tod von Spoon, 2006, haben Jam und ich beschlossen, uns zu treffen und miteinander Musik zu machen, um das Leben von Spoon und das, was er uns gegeben hat, zu feiern. Ich habe Spoon, Markus Löffel, ganz anders gekannt als die meisten Menschen. Er war ein unglaublich gefühlvoller Mensch und sehr nett. Ich weiß, dass er aber auch andere Seiten hatte, die ich nicht kannte. Mit Jam habe ich also 'Hole of my heart' geschrieben und ich war sehr stolz, dass der Song auf mein Soloalbum kam. Ich habe den Song lange für mich behalten, ich denke, er hätte nicht auf ein Reamonn-Album gepasst. Mir bedeutet der Song viel. Der Song ist grandios und ich spiele ihn jedem vor und warte auf den Moment, wenn dieser klassische Teil beginnt und warte auf die Reaktion. Meistens sind sie sehr überrascht, danach freuen sie sich."

Dass Reas Stimme gut zu Dance und Techno passt, wussten Jam and Spoon sehr früh. Rea war sehr überrascht, als der Vorschlag kam, dass er "Be angeled" singt. Rea mag Techno sehr. Als Kulturreferent an der Uni hat er solche Abende veranstaltet. Der Song "Let go", den er 2007 mit Paul van Dyk gemacht hat, bekam fünf Dance Music Awards.

Zurück zum Album "Can't stand the silence": Der Song "Colour me in" handelt von seiner Tochter, die ihm ein Bild gemalt hat, bevor er nach Amerika ging und so beiläufig "Tschüss" gesagt hat. Sie ging zum Tisch zurück und malte ein buntes Bild. Dann ging Rea nach Los Angeles, er kam zu Andru Williams in einem klinisch weißen Haus, und Andru sah wie ein Arzt aus. Er nahm einen Zettel und fragte: Worüber sollen wir schreiben? Rea sagte "Colour me in" und Andru sagte "I like that".

Neulich gab Rea Garvey ein Konzert in der Frankfurter Batschkapp, bei dem auch seine jüngste Schwester auf der Bühne stand. Es war total ausverkauft und Rea hat viel erzählt. Ab und zu hörte man die Bitte des Publikums: Sing! Hat der Albumtitel "Can't stand the silence - Kann keine Stille ertragen" etwas damit zu tun, dass er viel redet? Rea antwortet: "Ich rede auf jeden Fall viel, das habe ich von meinem Vater. 'Can't stand the silence' hat mit meinen Gedanken zu tun, dass ich den Stillstand und die Wartezeit nicht ertragen kann. Wenn ich weiß, dass etwas auf mich zukommt und ich weiß, dass ich etwas erreichen will, dann will ich sofort anfangen."

Rea Garvey




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