Geschichten & Gespräche mit internationalen
Künstlern und Künstlerinnen
30.06.2011

Tim Bendzko

Tim Bendzko stieg mit seinem Debüt-Album "Wenn Worte meine Sprache wären" in die offiziellen Album-Charts auf Platz 4 ein. Und seine Single "Nur noch kurz die Welt retten" läuft und läuft ... Ihm ist es fast unangenehm, dass er jetzt im Focus steht und er fühlt sich wie der Beobachter seines eigenen Lebens. Tim Bendzko sieht aus wie ein Junge von nebenan, bei dem man irgendwann feststellt, da besteht eine gute Grundlage für eine interessante Unterhaltung, z.B. zum Thema Fußball. Er spielte beim 1. FC Union Berlin, er war richtig gut und wurde in der B-Jugend als Talent gehandelt. Man kann auch über das Thema Religion mit ihm sprechen, er hat Evangelische Theologie und Nichtchristliche Religionen studiert. Aber nicht deshalb, weil er von der Kirche begeistert ist, sondern weil er sich darüber klar sein wollte, wie die Weltansichten sind und wie die Welt funktionieren könnte. Man kann mit ihm auch über das Thema Auktionator lange reden. Denn, er war einer. Er versteigerte Autos, so richtig mit dem Hämmerchen: laut und sehr schnell.

Und natürlich spricht man mit Tim Bendzko über Musik. Er war etwa elf, als er beschlossen hat, Musik zu machen. Mit 16 lernte er Gitarre zu spielen, er schrieb seine ersten Songs. Aber erst jetzt mit 26 findet er, dass er soweit ist, uns seine Songs zu präsentieren. Er hört generell wenig Radio und Musik insgesamt, dennoch hat er irgendwann mal festgestellt, dass er mit "Wicked Game" von Chris Isaak Mädchenherzen brechen kann. Damals war er 16 und konnte nicht abwarten, den Song zu singen. Die Mädchen heulten vor sich hin. Und jetzt will er die Welt retten. Nein, nichts qualifiziert ihn, dies zu tun. Er ist kein Supermann und im Song geht es eher darum, dass so viele Menschen banale Dinge tun, mit denen sie die Welt sicher nicht retten werden. Warum tragen sie jetzt nach Fukushima T-Shirts gegen die Atomkraft? Warum nicht vor einem Jahr? Damals waren diese Menschen sicherlich auch gegen die Atomkraft.

Tims Debütalbum heißt "Wenn Worte meine Sprache wären". Die Sprache beschäftigt ihn, er will uns beschäftigen, wir sollen nachdenken, Vieles versteht man erst nach mehrmaligem Hören.

Seit er denken kann, war für ihn klar, er hat keine Idole und er würde sich nie ein Autogramm von einem Star geben lassen. Obwohl - einen Star hat er nachgemacht. Damals als Kind vor der Vitrine seiner Eltern, nachdem er Michael Jackson im zerrissenen, weißen T-Shirt gesehen hat. Was seinen weiteren Erfolg betrifft, so meint er, dass damit auch ein Problem auf ihn zukommt: Er wird irgendwann über sein Privatleben reden müssen, und er weiß noch nicht, wo man da die Grenze zieht. Aber, Tim wird auch das schaffen. So wie die netten Jungs von nebenan.

Tim Bendzko




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